Der letzte Text schloß mit der Annahme, dass man für die
Unterscheidung verschiedener Kommunikationsformen seine Aufmerksamkeit auf die
Form der Codierung der Kommunikationsangebote richten muss. Man wird, mit
anderen Worten, auf die Sozialdimension
des Sinns verwiesen und damit auf Kommunikationstheorie
inklusive der Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien. Es kann,
mit anderen Worten, nicht nur um die Feststellung gehen, dass
kommuniziert wird, sondern um die Frage, wie kommuniziert wird. Systemtheoretische
Arbeiten der letzten Jahre haben sich zu wenig mit der Frage beschäftigt, wie
kommuniziert wird, und sich lediglich mit der Feststellung begnügt, dass
Kommunikation kommuniziert. Die systemtheoretische Aufmerksamkeit hat sich auf
die bloße Verifikation dieser Tautologie fixiert, ohne dass es gelungen ist
diese Tautologie zu paradoxieren und zu entfalten. Die Konzentration lag zu
stark auf der Sachdimension des Sinns. Es ging lediglich darum den
systemtheoretischen Gesellschaftsbegriff über Luhmann hinausgehend präziser zu
bestimmen. Damit wurde allerdings ein Großteil des analytischen Potentials des
durch Luhmann zur Verfügung gestellten Begriffsapparates verschenkt, denn man
hat sich nur mit der Theorie aber kaum mit der Gesellschaft beschäftigt. Diese
Theorieentscheidung führte zur Aufgabe des Theorems funktionaler Differenzierung
(vgl. Karafillidis 2009, Baecker 2013), was aus der hier angelegten Perspektive
weniger als Weiterentwicklung, sondern eher als Rückbau von Luhmanns
Gesellschaftstheorie erscheint. Man hat sich lediglich damit begnügt die paradoxe Konstitution von Kommunikation offenzulegen, was hier im Anschluss an Luhmann als Sthenographie (vgl. 1991) bezeichnet wird, ohne sich dafür zu interessieren, welche Formen der Entparadoxierung die Gesellschaft für die einzelnen sozialen Probleme gefunden hat, die im letzten Text rekonstruiert wurden. Mit anderen Worten, die
systemtheoretischen Ansätze nach Luhmann haben sich lediglich darauf kapriziert
die Selbstreferenz der Kommunikation zu beobachten und blieben dadurch selbst
eigentümlich selbstreferentiell in ihrer Beobachtungsweise.
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Samstag, 8. März 2014
Die Beobachtung der Beobachtung 3.2 – Die Multifunktionalität der Kommunikation als Problem soziologischer Theoriebildung
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Dienstag, 22. Oktober 2013
Die Beobachtung der Beobachtung – Exkurs über Massenmedien
Die Entstehung der Massenmedien
ist möglicherweise nur das Ergebnis einer nachlaufenden technischen Entwicklung
der Verbreitungsmedien, die den Anforderungen der modernen funktional differenzierten
Gesellschaft noch nicht genügte. Das ändert sich nun mit den Möglichkeiten, die
das Internet als technische Infrastruktur für Informationsverbreitung bietet.
Aktuell geht man noch von der Annahme aus, dass die soziale Evolution der technischen
Entwicklung hinterherrennt, so z. B. Dirk Baecker mit seiner next society (vgl.
2007). Das was er als nächste Gesellschaft beschreibt, wird hier als eine
Beschreibung der modernen Gesellschaft interpretiert. Der Vorschlag lautet die
umgekehrte Variante zu testen: die
technische Entwicklung läuft der sozialen Entwicklung hinterher. Das
Internet ist das Verbreitungsmedium der modernen Gesellschaft und verhilft ihr
erst dazu ihre Möglichkeiten voll zu entfalten. Es bricht die
Gatekeeperfunktion der etablierten Massenmedien und eröffnet den Kampf um die
Deutungshoheit zwischen all jenen, die sich berufen fühlen Experte für ein
bestimmtes Thema zu werden. Mit anderen Worten, das Internet hat den Kampf um Aufmerksamkeit erst richtig eröffnet.
Sonntag, 10. März 2013
Doppelte Kontingenz und die Schematismen der Interaktion
Im letzten Beitrag wurden einige
Auswüchse der ersten und zweiten Generation neuerer soziologischer
Systemtheorien nach dem Tode Niklas Luhmanns kritisiert. Die aufgezeigten
Probleme beschränken sich aber nicht allein auf die neueren Systemtheorien
sondern scheinen vielmehr Symptome zu sein, von denen die deutsche Soziologie
als Gesamtdisziplin betroffen zu sein scheint. Das damit verbundene Unbehagen
artikuliert sich in letzter Zeit auch vermehrt im Blog der Deutschen Gesellschaft für
Soziologie. Trotz unterschiedlicher theoretischer Perspektiven kommen die
verschiedenen Autorinnen und Autoren zu ähnlichen Diagnosen hinsichtlich des Zustands der Disziplin. Ganz allgemein
formuliert, besteht das Problem darin, dass die Komplexität der modernen
Gesellschaft nach wie vor die etablierten Selbstbeschreibungssemantiken der Gesellschaft
vor scheinbar unüberwindbare Herausforderungen stellen. Bisher sticht in der
gesamtgesellschaftlichen als auch der soziologischen Wahrnehmung vorwiegend die
Krisenhaftigkeit der Moderne hervor. Die Frage ist allerdings, handelt es sich
tatsächlich um das Charakteristikum der modernen Gesellschaft oder nur um eine
Krise ihrer Selbstbeschreibungsformate? So wird zwar das Fehlen eines
gesellschaftsweit gültigen Narrativs beklagt, dass noch für alle Menschen eine
Orientierung bieten könnte und einige wissenschaftliche Beobachter haben die
Bemühungen um ein wissenschaftliches Beschreibungsangebot bereits aufgegeben –
Stichwort Postmoderne. Doch betonen nicht gerade die Klagen die Notwendigkeit
einer solchen modernen Beschreibung der modernen Gesellschaft? Der Versuch dies
zu leisten, gestaltet sich allerdings immer mehr wie die Quadratur des Kreises. Doch
möglicherweise besteht genau darin das Kunststück.
Donnerstag, 6. Dezember 2012
Über die Kommunikation der Internet-Trolle*
Im
letzten Blog-Beitrag wurde dargelegt, dass Kontingenz als
Effekt der Beobachtung 2. Ordnung ein spezifisch modernes Konzept ist. Für
Kritik gilt dies ebenfalls, da Kritik auch erst durch Beobachtung 2. Ordnung
möglich ist. Bloße Negation um der Negation willen ist noch keine Kritik. Das
Internet als technische Infrastruktur zur Informationsverbreitung erweitert die
Möglichkeiten für Beobachtungen 2. Ordnung und damit auch für Kritik. Damit
erzeugt das Internet ein Überangebot an Kommunikationsofferten und insofern
einen Verweisungsüberschuss an kommunikativen Anschlussmöglichkeiten. Der
Verweisungsüberschuss kann aber nicht allein mit Kommunikation via Internet
bewältigt werden. Aufgrund fehlender Möglichkeiten für eine räumliche
Integration lassen sich im Internet nur sehr schwer stabile Formen der
kommunikativen Selbstorganisation etablieren. Auf diese Weise erfüllt das
Internet in der modernen Gesellschaft die Funktion einer laufenden Irritation
der Gesellschaft. Sobald es jedoch darum geht durch Entscheidungen irreversible
Sachverhalte zu schaffen, spielen Kommunikationsprozesse via Internet nur eine
marginale Rolle. Wer etwas verändern möchte, wird es nicht vermeiden können
direkt mit Menschen in Kontakt zu treten.
Dienstag, 16. Oktober 2012
Beobachtbarkeit - Risiko und Gefahr
Der
letzte Blog-Beitrag endete mit der Beobachtung, dass durch das Internet die
technischen Möglichkeiten der Beobachtung von Beobachtern immens erweitert
wurden und die Gesellschaft sich deswegen mit einem unglaublichen Maß an
selbsterzeugter Kontingenz konfrontiert. Dem gegenüber hat sich aber ein
Bewusstsein für die damit verbundene gewollte oder ungewollte Anziehung der
Aufmerksamkeit noch nicht in ausreichendem Maße gebildet obwohl Beobachtbarkeit
an sich nichts grundsätzlich Neues ist. Dieses Bewusstsein wurde auch als
Aufmerksamkeit für Aufmerksamkeit bezeichnet. Das mag zunächst eine recht
magere Diagnose sein. Berücksichtigt man aber, dass man sich hier auf
gesellschaftstheoretischer Ebene bewegt und von Funktions-, Organisations- und
Interaktionssystemen abgesehen wird, dann lässt sich nicht mehr sagen.
Gesellschaft ist das umfassende System. Außerhalb der Gesellschaft gibt es
keine sozialen Systeme. Die eingenommene Perspektive abstrahierte somit von
jeglichen Beobachtungsverhältnissen, weil es keine Fremdbeschreibungen von
gesellschaftsexternen Beobachtern geben kann. Bevor die innergesellschaftlichen
Beobachtungsverhältnisse in den Blick genommen werden, soll zunächst
verdeutlicht werden was mit Aufmerksamkeit für Aufmerksamkeit [1] gemeint ist
bzw. wie sich diese im Alltag bemerkbar macht.
Donnerstag, 4. Oktober 2012
Die Öffentlichkeit der Gesellschaft & das Internet
Der
vorangegangene Blog-Beitrag schloss mit der Bemerkung, dass der
Selbstfindungsprozess der Piratenpartei nicht unter Ausschluss der
Öffentlichkeit gelingen kann. Dabei wurde der Begriff Öffentlichkeit zunächst
unhinterfragt im normalen Alltagsverständnis benutzt. Mit dem Aufkommen des
Internets wurden der Begriff Öffentlichkeit
und der Gegenbegriff Privatheit
zunehmend fragwürdiger. Das althergebrachte Verständnis, dass Öffentlichkeit
vor der eigenen Haustür beginnt, wird dadurch konterkariert, dass Personen heute
ihr Privatleben im Internet zugänglich machen und ihre intimsten Details –
zumindest im Prinzip – mit einem Millionenpublikum teilen können oder dass über soziale Netzwerke persönliche Daten frei zirkulieren und für jeden zugänglich sind. Das Private
wird öffentlich, egal ob freiwillig oder unfreiwillig. Eine klare Grenze lässt sich heute nicht mehr ziehen, wenn die
Öffentlichkeit aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten nicht mehr an der Haustür endet. Vielmehr fragt man sich, was
Privatsphäre im Internetzeitalter noch bedeuten kann. Das Skandalöse des
Internets ist, dass es radikal die bisherigen Vorstellungen davon, was
öffentlich und privat ist, in Frage stellt und scheinbar mit unseren alten Gewohnheiten
der Darstellung im öffentlichen Raum bricht.
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