Auch der folgende Beitrag
konzentriert sich auf das Thema Gesellschaft und Internet. Nach wie vor wird
von der Annahme ausgegangen, dass das
Internet die technischen Möglichkeiten der Beobachtung von Beobachtern
erweitert hat. Da diese Möglichkeiten von vielen Menschen genutzt werden,
kommt es zu einer bisher nicht gekannten Flutung der Gesellschaft mit
Kontingenz. Dass Kontingenz als solche registriert und als Bedingung für den
Vollzug von Kommunikation berücksichtigt wird, ist ein spezifisch modernes
Phänomen. Theologische Reflexionen bereiteten die semantischen Bedingungen für
eine Beobachtungsweise vor (Luhmann 2006, S. 114), die schließlich zur
operativen Schließung verschiedener Funktionssysteme führte und einen Wechsel
in der Differenzierungsform der Gesellschaft einleitete hin zu funktionaler
Differenzierung. Niklas Luhmann bezeichnete Kontingenz deswegen als einen
Eigenwert der modernen Gesellschaft (2006). Wenn man sich mit der Frage
auseinandersetzt, welchen Einfluss das Internet auf die Gesellschaft hat, dann
kommt man nicht umhin sich mit der Frage auseinander zu setzen, welche Funktion
das Internet für den gesellschaftlichen Umgang mit Kontingenz hat? Dazu ist es als
Erstes notwendig den Begriff Kontingenz näher zu bestimmen.
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Donnerstag, 1. November 2012
Donnerstag, 4. Oktober 2012
Die Öffentlichkeit der Gesellschaft & das Internet
Der
vorangegangene Blog-Beitrag schloss mit der Bemerkung, dass der
Selbstfindungsprozess der Piratenpartei nicht unter Ausschluss der
Öffentlichkeit gelingen kann. Dabei wurde der Begriff Öffentlichkeit zunächst
unhinterfragt im normalen Alltagsverständnis benutzt. Mit dem Aufkommen des
Internets wurden der Begriff Öffentlichkeit
und der Gegenbegriff Privatheit
zunehmend fragwürdiger. Das althergebrachte Verständnis, dass Öffentlichkeit
vor der eigenen Haustür beginnt, wird dadurch konterkariert, dass Personen heute
ihr Privatleben im Internet zugänglich machen und ihre intimsten Details –
zumindest im Prinzip – mit einem Millionenpublikum teilen können oder dass über soziale Netzwerke persönliche Daten frei zirkulieren und für jeden zugänglich sind. Das Private
wird öffentlich, egal ob freiwillig oder unfreiwillig. Eine klare Grenze lässt sich heute nicht mehr ziehen, wenn die
Öffentlichkeit aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten nicht mehr an der Haustür endet. Vielmehr fragt man sich, was
Privatsphäre im Internetzeitalter noch bedeuten kann. Das Skandalöse des
Internets ist, dass es radikal die bisherigen Vorstellungen davon, was
öffentlich und privat ist, in Frage stellt und scheinbar mit unseren alten Gewohnheiten
der Darstellung im öffentlichen Raum bricht.
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