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Samstag, 8. März 2014

Die Beobachtung der Beobachtung 3.2 – Die Multifunktionalität der Kommunikation als Problem soziologischer Theoriebildung



Der letzte Text schloß mit der Annahme, dass man für die Unterscheidung verschiedener Kommunikationsformen seine Aufmerksamkeit auf die Form der Codierung der Kommunikationsangebote richten muss. Man wird, mit anderen Worten, auf die Sozialdimension des Sinns verwiesen und damit auf Kommunikationstheorie inklusive der Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien. Es kann, mit anderen Worten, nicht nur um die Feststellung gehen, dass kommuniziert wird, sondern um die Frage, wie kommuniziert wird. Systemtheoretische Arbeiten der letzten Jahre haben sich zu wenig mit der Frage beschäftigt, wie kommuniziert wird, und sich lediglich mit der Feststellung begnügt, dass Kommunikation kommuniziert. Die systemtheoretische Aufmerksamkeit hat sich auf die bloße Verifikation dieser Tautologie fixiert, ohne dass es gelungen ist diese Tautologie zu paradoxieren und zu entfalten. Die Konzentration lag zu stark auf der Sachdimension des Sinns. Es ging lediglich darum den systemtheoretischen Gesellschaftsbegriff über Luhmann hinausgehend präziser zu bestimmen. Damit wurde allerdings ein Großteil des analytischen Potentials des durch Luhmann zur Verfügung gestellten Begriffsapparates verschenkt, denn man hat sich nur mit der Theorie aber kaum mit der Gesellschaft beschäftigt. Diese Theorieentscheidung führte zur Aufgabe des Theorems funktionaler Differenzierung (vgl. Karafillidis 2009, Baecker 2013), was aus der hier angelegten Perspektive weniger als Weiterentwicklung, sondern eher als Rückbau von Luhmanns Gesellschaftstheorie erscheint. Man hat sich lediglich damit begnügt die paradoxe Konstitution von Kommunikation offenzulegen, was hier im Anschluss an Luhmann als Sthenographie (vgl. 1991) bezeichnet wird, ohne sich dafür zu interessieren, welche Formen der Entparadoxierung die Gesellschaft für die einzelnen sozialen Probleme gefunden hat, die im letzten Text rekonstruiert wurden. Mit anderen Worten, die systemtheoretischen Ansätze nach Luhmann haben sich lediglich darauf kapriziert die Selbstreferenz der Kommunikation zu beobachten und blieben dadurch selbst eigentümlich selbstreferentiell in ihrer Beobachtungsweise.

Dienstag, 8. Januar 2013

Vorüberlegungen zu einer systemtheoretischen Image-Theorie am Beispiel des Amokläufers



Der letzte Blog-Beitrag, der sich der Analyse des sogenannten Trollens widmete, wurde am 6. Dezember 2012 veröffentlicht. Acht Tage später bekam eine Passage des Textes „Kontingenz, Kritik und das Internet“ unerwarteterweise eine traurige Aktualität: 

„Es kann zwar vermutet werden, dass es sich bei den meisten Trollen um Personen handelt, die sich aufgrund ihrer strengen moralischen, politischen oder religiösen Ansichten mehr oder weniger selbst isoliert haben. Trotzdem sollte man sich darüber im Klaren sein, was es bedeutet, wenn eine Person mit einer derartig hohen Aufladung an negativen Emotionen wieder in die Lebenswelt anderer Menschen einbricht. Durch das Mobbing via Internet kann man eine vage Ahnung davon bekommen. Das Spektrum reicht wahrscheinlich von Mobbing über Stalking bis tätlichen Angriffen, Terror und im schlimmsten Fall Amokläufen.“ 

Die Rede ist vom Amoklauf des zwanzigjährigen Adam Lanza in der Stadt Newton im US-Bundesstaat Connecticut am 14. Dezember 2012. Über die Motive von Adam Lanza rätselt man bis heute.

Die im Troll-Text implizit enthaltene These lautete, dass es sich bei Amokläufen ebenso wie beim Trollen um eine Folgeerscheinung von sozialen Exklusionsprozessen handelt. Ausgehend von einer interaktionstheoretischen Perspektive wurde versucht das Muster sozialer Prozesse zu beschreiben, die Menschen dazu treibt Situationen mit face-to-face-Kontakten zu meiden, welche psychologischen Folgen diese sozialen Exklusionsprozesse auf die betroffenen Menschen haben und wie sich diese psychologischen Folgen wieder in Kommunikationsprozessen bemerkbar machen. Amokläufe sind die extremste Form in der sich soziale Entfremdung ausdrückt. Um solche tragischen Ereignisse künftig verhindern zu können, gilt es die Ursachen dafür zu identifizieren. Erklärungsangebote gibt es einige. So wurden wenig überraschend wieder die Ego-Shooter für solche Taten verantwortlich gemacht. Ebenso erwartbar wurde auch die laxe Waffengesetzgebung der USA genannt. Aber es gab auch einen neuen Erklärungsansatz der in der fehlenden Krankversicherungspflicht die Ursache für Amokläufe sieht, weil auf diese Weise vielen US-amerikanischen Staatsbürgern die Möglichkeit genommen wird benötigte psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.