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Freitag, 21. Juni 2013

Die Beobachtung der Beobachtung 2 - Kommunikation und Image



 Das gemeinsame Band zwischen ‚uns‘ kann der andere sein.
Ronald D. Laing*



Im letzten Blog-Beitrag wurde ausgiebig Gorgonenbetrachtung betrieben. Gorgonenbetrachtung bezeichnet im Anschluss an Niklas Luhmann den Umgang mit Paradoxien (vgl. 1991). Zuletzt wurde herausgearbeitet, dass Paradoxien als nicht-eliminierbare Identitätsprobleme jeglicher Informationsgewinnung und –verarbeitung durch Beobachten zugrunde liegen. Der Grund dafür findet sich in der paradoxen Konstitution der Beobachtung als basaler Operation von sozialen und psychischen Systemen. Diese Operation ist das Beobachten im Sinne des Bezeichnens mit Hilfe einer Unterscheidung. Versucht man nun diese Operation selbst zu beobachten, also zu unterscheiden und zu bezeichnen, dann wird das weitere Beobachten blockiert. Genau das wurde im letzten Beitrag getan. Man trifft an diesem Punkt auf die Selbstreferenz der Unterscheidung als sachliche, soziale und zeitliche Paradoxie der Form. Einige der dabei auftretenden Probleme für die Informationsgewinnung und –verarbeitung beobachtender Systeme wurden aufgezeigt. Bei der Beobachtung der Beobachtung als Anwendung einer Unterscheidung auf sich selbst trifft man auf eine für die weitere Entwicklung bzw. Differenzierung eines Systems wichtige Bifurkation. Bei der Selbstreflektion kommt es entweder zum re-entry, des Wiedereintritts der Unterscheidung auf ihrer Innenseite. Das System kann auf diese Weise seinen eigenen blinden Fleck beobachten und Lernen. Durch Selektion und Restabilisierung gelingt es einem System sich selbst zu ändern.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Das Unbehagen an der Systemtheorie



Diesem Blog dient unter anderem die soziologische Systemtheorie Niklas Luhmanns als Grundlage für die hier vorgestellten Gedanken. Bereits mit dem Namen „Beobachter der Moderne“ wird Niklas Luhmann die Reverenz erwiesen. Seine Theorie der Gesellschaft erregt bis heute vor allem dadurch Aufsehen, dass sie Menschen nicht mehr als Teile der Gesellschaft betrachtet wie dies klassische soziologische Theorien getan haben und viele soziologische Ansätze bis heute tun. Der Grund für diese Theorieentscheidung ist die Annahme, dass soziale Systeme operativ geschlossen sind. Das bedeutet die jeweiligen Operationen eines sozialen Systems schließen rekursiv an die eigenen Operationen an. Dass dies nicht nur eine theoretische Annahme ist, sondern auch eine empirische Tatsache lässt sich schon allein dadurch einsichtig machen, dass auch psychische Systeme operativ geschlossen sind. Gedanken schließen immer nur an Gedanken an. Sie schließen operativ immer an die eigenen Gedanken an und niemals an fremde Gedanken. Und genauso wie Operationen eines psychischen Systems niemals in die Operationen eines anderen psychischen Systems eingreifen können, so können auch die Operationen eines sozialen Systems niemals in die Operationen eines psychischen Systems eingreifen. Wenn man die Gesellschaft als ein soziales System beschreibt, dessen Operationen sich von denen psychischer Systeme unterscheiden, dann können mit Psychen ausgestattete Menschen nicht Teile der Gesellschaft sein, sondern sie müssen zur Umwelt der Gesellschaft gehören.

Dienstag, 8. Januar 2013

Vorüberlegungen zu einer systemtheoretischen Image-Theorie am Beispiel des Amokläufers



Der letzte Blog-Beitrag, der sich der Analyse des sogenannten Trollens widmete, wurde am 6. Dezember 2012 veröffentlicht. Acht Tage später bekam eine Passage des Textes „Kontingenz, Kritik und das Internet“ unerwarteterweise eine traurige Aktualität: 

„Es kann zwar vermutet werden, dass es sich bei den meisten Trollen um Personen handelt, die sich aufgrund ihrer strengen moralischen, politischen oder religiösen Ansichten mehr oder weniger selbst isoliert haben. Trotzdem sollte man sich darüber im Klaren sein, was es bedeutet, wenn eine Person mit einer derartig hohen Aufladung an negativen Emotionen wieder in die Lebenswelt anderer Menschen einbricht. Durch das Mobbing via Internet kann man eine vage Ahnung davon bekommen. Das Spektrum reicht wahrscheinlich von Mobbing über Stalking bis tätlichen Angriffen, Terror und im schlimmsten Fall Amokläufen.“ 

Die Rede ist vom Amoklauf des zwanzigjährigen Adam Lanza in der Stadt Newton im US-Bundesstaat Connecticut am 14. Dezember 2012. Über die Motive von Adam Lanza rätselt man bis heute.

Die im Troll-Text implizit enthaltene These lautete, dass es sich bei Amokläufen ebenso wie beim Trollen um eine Folgeerscheinung von sozialen Exklusionsprozessen handelt. Ausgehend von einer interaktionstheoretischen Perspektive wurde versucht das Muster sozialer Prozesse zu beschreiben, die Menschen dazu treibt Situationen mit face-to-face-Kontakten zu meiden, welche psychologischen Folgen diese sozialen Exklusionsprozesse auf die betroffenen Menschen haben und wie sich diese psychologischen Folgen wieder in Kommunikationsprozessen bemerkbar machen. Amokläufe sind die extremste Form in der sich soziale Entfremdung ausdrückt. Um solche tragischen Ereignisse künftig verhindern zu können, gilt es die Ursachen dafür zu identifizieren. Erklärungsangebote gibt es einige. So wurden wenig überraschend wieder die Ego-Shooter für solche Taten verantwortlich gemacht. Ebenso erwartbar wurde auch die laxe Waffengesetzgebung der USA genannt. Aber es gab auch einen neuen Erklärungsansatz der in der fehlenden Krankversicherungspflicht die Ursache für Amokläufe sieht, weil auf diese Weise vielen US-amerikanischen Staatsbürgern die Möglichkeit genommen wird benötigte psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.